Suche

los

Eine fast unanständige Frau - Liebeskomödie

von: Andi LaPatt

Franzius Verlag, 2015

ISBN: 9783945509579 , 326 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

Mac OSX,Windows PC für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones

Preis: 4,99 EUR

eBook anfordern eBook anfordern

Mehr zum Inhalt

Eine fast unanständige Frau - Liebeskomödie


 

Der Stripper mit der Socke


 

Der nächste Freitagabend rückt näher, und Verona hat mich gefragt, ob wir ins Clubhaus gehen vom MC Darkevil. Ein Motorradclub von Freunden. Verona will mich abholen. Sie will mit dem Auto fahren. Sie ist zwar hochschwanger, aber sie meint, wenn sie schon keinen Alkohol trinken dürfte, dann soll doch ich wenigstens für uns beide Gas geben. Eine gute Idee, sie passt zu meiner Laune. Natürlich verabrede ich mich gerne mit ihr. Wir kennen uns schon lange, sind gute Kolleginnen, aber auch nicht mehr. Vielleicht sollte ich dringend mein Rudel an Freundinnen erweitern. Naja, es gibt in der Nachbarfirma eine Frau, mit der ich mich gut verstehe, aber wir kennen uns noch nicht so lange. Vielleicht sollte ich mich mal mit dieser Caroline Bologna verabreden und anfreunden. Woher sollte ich heute schon wissen, dass das in Kürze eine enge Freundin werden würde? Aber ich greife vor. Lassen wir erst einmal an diesem Abend den Dingen ihren Lauf. Er sollte schicksalhaft werden… und irgendwie sehr aufregend.

 

Verona sollte gegen 21:00 Uhr kommen. Ich denke daran, während ich Feierabend in der Firma und mich auf den Heimweg mache. Mittlerweile habe ich mich beruhigt, was Karl angeht, und so konzentriere ich mich auf den bevorstehenden Abend. Ich mache mich gut gelaunt auf den Heimweg, drehe das Radio im Volvo laut auf und stimme mich mit AC/DC auf den heutigen Abend ein. So ähnlich wie im Runaway Train fühle ich mich ja auch gerade. Rebellisch, jetzt wird mein Leben verändert. Yeah. Kopfschüttelnd zu den Klängen von Angus + Co. wie eine Szene aus Waynes World fahre ich nach Hause, während die entgegenkommenden Automobilisten etwas verdutzt in den Volvo blicken. Ich fühle mich gut. Das wird der perfekte Abend. Ich freue mich regelrecht auf den Abend im Kreis alter Freunde und berieselt von gutem altem Rock ‘n Roll und das eine oder andere Bierchen.

 

Als ich nach Hause komme und die Haustüre aufschließe, rieche ich Duschmittel und höre Wasser plätschern in der Dusche, lautes Pfeifen und Summen. Ein Blick zum Wäschekorb eröffnet mir einen Stapel schmutziger Wäsche, der davor liegt. Das hat irgendwie nicht zu meinen Plänen gehört. Damit habe ich nicht wirklich gerechnet. Karl ist Zuhause? Oh, welche Überraschung. Ein Stich ins Herz, ich bin irritiert und hin- und hergerissen. Vorbei mit der guten Laune – etwas verwirrt betrete ich die Wohnung und schließe die Türe hinter mir.

 

Karl kommt nackt aus der Dusche, klar, wie sollte er auch sonst aus der Dusche kommen. Mir ist nicht mehr zum Lachen zumute. Ich fühle mich gedemütigt. Und Karl setzt dem Ganzen noch einen oben drauf. Ohne Vorwarnung ist er Zuhause, und ich als Beziehungspartnerin weiss nicht einmal etwas davon. Ich fühle mich übergangen und ausgeschlossen. Vor allem aber fühle ich mich nicht wie eine Beziehungspartnerin. Ist es wirklich zu viel verlangt, miteinander zu sprechen und sich gegenseitig abzustimmen? Im Moment ist noch nicht einmal wichtig, dass er sich wochenlang nicht gemeldet hat. Er kommt auf mich zu und nimmt mich halb nass in die Arme. Normalerweise wäre ich imstande gewesen, jetzt wieder schwach zu werden, aber meine Wut und die Enttäuschung sind dieses Mal viel größer. Als ich ihn frage, warum er sich nicht gemeldet habe, erhalte ich die üblichen Ausreden:

 

Der Empfang war in Schweden schlecht – gut – ist klar, ganz Schweden ist im Funkloch. Die Telefon-Gebühren sind im Ausland so hoch – aaaah ja, er verdient ein Schweinegeld, dass er nie ausgeben kann, weil er ständig unterwegs ist, aber die Gebühren sind zu hoch – völlig logisch. Ich wollte dich nicht wecken, wenn ich spät abends fertig war mit Abladen. Aaah ja, ich hab natürlich wie ein Stein geschlafen, wenn sich der Mann, um den sich mein Leben dreht, seit Wochen nicht meldet. Da käme einem nicht in den Sinn, dass man außer sich vor Sorge kein Auge zumacht. Aber ist gut, vielleicht ist es ganz gut so.

 

Ich bin „geladen“ genug, um mir den Schwachsinn nicht mehr anzuhören, um nicht mehr auf die funkelnden blauen Augen hereinzufallen, nicht mehr schwach zu werden, wenn er mir sanft in den Nacken bläst oder wenn er mir mit tiefer erotisierender Stimme sagt, dass er mich liebt. Aus, Stop, fertig, Amen – ich bin wütend, und das ist diesmal ganz gut so.

 

Ich versuche mich dennoch zu beherrschen und sage ihm, dass ich nicht mehr kann und nicht mehr will. Seine Gegenfrage? „Was kannst du und willst du nicht mehr?“ Hab ich mich eben verhört? Hat er die letzten drei Jahre nicht teilgenommen an dieser Beziehung? OK, das könnte durchaus sein. Vielleicht müsste ich ihn auf den neusten Stand bringen. Aber ich habe ihm schon so oft gesagt, dass das alles für mich nicht stimmt.

 

Nach langen Erklärungen und wilden Gesten begreift er endlich, dass es dieses Mal ernst ist. Ich mache gerade Schluss mit ihm. Ja, liebe Leserinnen und Leser, lest es nochmals, ich mache gerade Schluss mit Karl. Obwohl ihr gerade mal die ersten Seiten dieses Romans in Kurzform von der Beziehung erfahren habt, habe ich drei Jahre hinter mir. Drei Jahre mit warten, erklären, schönreden, alleine sein, "sich-alleine-gelassen"-fühlen, Ausreden, herumreden, alles herunterschlucken und und und...

 

Und siehe da, bei Karls schönem Köpfchen kommt sogar an, was ich sage. Langsam aber sicher erstirbt sein Lachen, und auch er kapiert, es ist aus. Ja, AUS. Er ist mit einem Mal still, und ich habe schon fast wieder Mitleid mit ihm. Seine Miene ist geradezu versteinert, und seine blauen Augen sehen mich traurig an. Er wollte sich einen schönen Abend mit mir machen. Ich sage ihm, dass ich mit Verona verabredet bin. Er kann nicht verstehen, warum ich in einer so ernsten Situation weggehe.

 

Vielleicht müsste ich erwähnen, dass er die letzten drei Jahre so gut wie jedes Wochenende mit seinen Freunden verbracht hat, wenn er denn mal hier war. Wohlverstanden, ohne mich. Auch wenn er – ALLEINE – in die Ferien gefahren ist, war er die Abende vorher und nachher mit den Freunden unterwegs, manchmal bis kurz vor Abfahrt in die Ferien, sodass ich nicht einmal die letzte Nacht vor den Ferien neben ihm schlafen „durfte.“ Um die Häuser ziehen ist schon immer wichtiger gewesen für ihn als mit der Freundin einmal einen Abend alleine zu verbringen, wenn er denn mal einen Abend Zuhause war. Gut – vielleicht verlange ich auch viel von einem Mann. Wer weiss…

 

Aber da muss ich doch Verständnis haben, dass er kein Verständnis hat, dass ich gerade jetzt und heute Abend verabredet bin. Ich neige zum Sarkasmus im Moment. Kann man mir das verübeln?

 

Sollte mich das jetzt wirklich kümmern? Bin ich wirklich so eiskalt? Ich war noch nie rachsüchtig oder boshaft, aber Sarkasmus steht mir in dieser Situation mit Sicherheit zu. Vielleicht war auch exakt das das Problem. Dass ich mir nämlich viel Zuviel habe gefallen lassen und ihm nie auf den Schlips getreten bin. Wer nimmt dich schon ernst, wenn du es selbst nicht tust und deine Bedürfnisse stets an die hinterste Stelle stellst?

 

Nein, ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr. Es ist nicht mein Problem, wenn er trotz der vielen Gespräche nicht versteht.

 

Ich habe so oft versucht, mit ihm zu reden. Ich konnte es dem Kühlschrank erklären, dem Sofa, meinem Bett und allen möglichen Gegenständen oder besser noch der Wand, denn an eben jene habe ich geredet, wenn ich eigentlich mit ihm geredet habe. Er hat mir nur nie zugehört. Deswegen überrascht ihn die Nachricht möglicherweise heute, dass ich Schluss mache. Die Wand wüsste das jetzt…

 

Er kann gar nicht verstehen, warum ich mich nicht wohlfühle in unserer Beziehung. Er fühle sich extrem wohl in unserer Beziehung. Klar fühlt er sich wohl in „unserer Beziehung.“ Da ist die Wäsche gemacht, der Haushalt ist in Schuss, seinen Samen kann er regelmäßig abladen, und ansonsten macht er sich ein lustiges Junggesellendasein in der ganzen Welt, wann und wo es ihm gerade passt. Alleine oder gar zu zweit? Ich weiss es nicht. Unsere Beziehung? Ha, wenn ich das nur schon höre… ich lasse mir die zwei Worte auf der Zunge zergehen: u.n.s.e.r.e B.e.z.i.e.h.u.n.g…

 

Irgendwie sind die Worte „unsere“ und „Beziehung“ für mich stark erklärungsbedürftig in diesem Zusammenhang, weil ich mir darunter etwas ganz Anderes vorstelle. Aber vielleicht bin ich ja leicht unflexibel und übertreibe das Ganze. Okay, okay, ich gebe zu, ich bin wütend und sarkastisch, aber ich habe ehrlich gesagt keine Lust auf weitere Diskussionen. Jetzt, wo es ernst wird, kann Karl plötzlich diskutieren und zuhören. Vorher konnte Karl weder das eine noch das andere. Es kümmerte ihn auch nicht, was ich zu sagen hatte oder wie ich mich fühlte. Er möchte jetzt reden. Ich nicht – nicht mehr.

 

Es folgt ein Hin und Her. Ich habe innerlich längst abgestellt. Vielleicht ein Selbstschutz? Sonst werde ich wieder schwach. Ich spüre, wie Karl immer stiller wird, in sich zusammensinkt, traurig wird. So nachdenklich und ruhig habe ich ihn noch nie gesehen. Warum nur muss es erst soweit kommen, bis er mir zuhört oder ernst nimmt, dass es mir nicht gut geht mit der jetzigen Situation? Ich will nachgeben – nein, ich will nicht nachgeben. Wenn ich jetzt nachgebe, dann hört das Elend nie auf. Und so hart es klingt, die nächsten fünfzig Jahre bin ich mir am nächsten. Das ist mein Leben, und ich sollte irgendwann anfangen, mir diesen Respekt und diese Achtung auch zu geben. Sonst tut es keiner.

 

Vielleicht wird es Zeit, endlich auf mich zu achten und mich mit einem Partner zu umgeben, der wirklich ein Partner ist und sich auch ernsthaft auf eine...