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Herbstregen - Aufzeichnungen einer Nicht-Sesshaften

von: Uschi Hammes

Franzius Verlag, 2015

ISBN: 9783945509852 , 164 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

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Preis: 4,99 EUR

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Herbstregen - Aufzeichnungen einer Nicht-Sesshaften


 

Kapitel 2


 

Jahre sind vergangen, und die Gefühle von damals wurden mit der Zeit, nach und nach und stetig von den sogenannten Alltäglichkeiten und Existenzbewältigungsmechanismen überschwemmt und verschüttet.

 

Immer wieder wollte ich mich dem Inhalt der Tüte, die hinten im Kleiderschrank stand widmen. Nie fand ich die passende Gelegenheit oder vielleicht wollte ich sie nicht finden. Doch heute beim Aufräumen hatte ich sie, besagte Plastiktüte, dann plötzlich in der Hand. Und diesmal gibt es keinen Aufschub und keine konstruierten Ausflüchte. Die Gelegenheit ist günstig, ich habe Urlaub. Anstatt mich also auf Reisen in ferne Länder zu begeben, starte ich den Trip zu den Zetteln in der Tüte, zu ihr und vielleicht so auch irgendwo zu mir selbst.

 

Als erstes stellte sich mir die Frage: Wie ordnet man Gedanken einer Person, die man nur sporadisch kennengelernt hat, wo man schon genug Schwierigkeiten hat, seine eigenen Gedankengänge in Ordnung zu halten.

 

Die Zettel, die nun aus der Tüte gekippt mein ganzes Bett bedeckten, sowie zum Teil auch schon auf den Boden gefallen waren, hatten verschiedene Farben. So tat ich das, was am Nächsten lag. Ich sortierte zuerst alle gelben Zettel aus dem Haufen heraus.

 

Nachdem ich sie durchgelesen hatte, gab ich ihnen den Namen ‚GEDANKENSPRÜNGE’. Ich gebe sie hier in der Reihenfolge wieder, in der sie mir in die Hände gefallen sind. Sie unterliegen somit einer willkürlichen Ordnung.

 

1. Ich dachte ich könne mich beherrschen.

Eine Fähigkeit die sich leicht verschleißt.

 

2. Er hatte das gewisse Etwas.

Hätte er nur etwas Gewissen gehabt.

 

3. Sie sagte, die Würde des Menschen ist unantastbar!

So machten sie aus ihr eine Paria.

 

4. So groß ist die Erde nicht,

als das man auf ihr einen Freund verlieren könnte.

 

5. Manchmal überkommt einen das Entsetzten darüber

wie wenig die Menschen sich gönnen.

 

6. Manchmal braucht man jemanden der nicht zu einem steht Sondern neben einem.

 

7. Die Einsamkeit ist wie ein Netz, in dem man sich verfangen hat.

Je mehr man sich gegen sie wehrt, desto hoffnungsloser verstrickt man sich in ihr.

 

8. Man sollte mehr wollen,

als sich bloß zufrieden zu geben.

 

9. Mit dem LEID der anderen versuchen sie allzu oft einen DIEL (deal) zu machen.

 

10. Der Versuch die äußerliche Stille zu genießen – übertönt von der Unruhe im Innern.

 

11. Das Ende des Karnevals.

Die Narren kleiden sich wieder in Normen.

 

12. Die Gejagten schlafen.

Nun müssen auch die Jäger schlafen.

 

13. Sei stark wie dein Schattenbild an einem heißen Tag

wenn die Sonne im Zenit steht.

 

14. Schwierig: Das innere Gleichgewicht zu finden auf dieser taumelnden Welt.

 

15. Die einzige Regelmäßigkeit sollte darin bestehen

ihr ständig zu entrinnen.

 

16. …und bitte nicht vergessen:

Europa ist nur der bizarre Ausläufer von Asien.

 

17. Burn down the last bad candle

Being is no appearance.

 

18. WOHN – HAFT

 

19. Kecker Anschlag auf die Zutraulichkeit der Einsamkeit.

 

20. Auch Apokalypsen sind bloß Etappen.

 

21. „Es hat mir sehr weh getan“, sagt das Herz.

„Du hast eine Erfahrung gemacht. Bewerte sie nicht emotional“, sagt der Verstand.

„Und wenn sie mich um den Verstand gebracht hätte?“

„Dann hätte ich dir das Herz gebrochen!

…und beide lachen.

22. Eine menschliche Form etwas auszudrücken, das man ganz anders denkt,

oder:

Der immer wiederkehrende, verzweifelte Versuch sich auf einer Weise mitzuteilen

die ins Chaos führt:

Es ist unglaublich was man mit Sprache alles verkehrt machen kann.

 

23. Ich kann aus einem Tiger keinen Vegetarier machen

nur weil ich kein Fleisch esse.

 

24, Es ist leichter Mitleid geschenkt zu bekommen als Hilfe.

Das Resultat: Man ertrinkt in Selbstmitleid.

 

25. Manchmal hat man das Gefühl es wäre das Beste sich selbst zu vergessen.

 

26. Zwei Arten von Karnevalsjecken:

Draußen laufen die Narren herum

Und du sitzt drinnen, du Narr!

 

27. Großstadtuniversum:

Jeder hält sich für den Mittelpunkt der Welt.

Ist auch nicht so schwierig.

Bei einer zugewiesenen maximalen Wohnfläche von 45qm.

 

28. Menschliche Kreatur.

Käme dieser Begriff doch von ‚Kreativität’.

 

29. Hüte dich vor Menschen die allzu fröhlich sind.

 

30. Muss man sich einmal vorstellen:

Mut zur Praxis.

 

31. Gedanken sind wie flüssiges Wachs. Sie halten die Lebensflamme am brennen.

 

32. Vor jeder kreativen Phase muss eine Phase der Besinnung stehen.

 

33. Abreise:

Sie musste keinen Abschied nehmen.

Das machte sie sehr traurig.

 

34. Neues Jahr, neues Spiel neues Glück –

Und nun ihre Einsätze bitte!

 

35. Die Zeit ist ja sooo kostbar…

Außer wenn der Fernseher läuft.

 

36. Meisterleistung,

lange hat es gedauert, doch jetzt wir leben in einer Zeit

in der Verdrängung und Ablenkung zu 100% perfektioniert sind.

 

37. Es gibt Landschaften, in denen verliert man den Bezug zu seiner eigenen Größe –

Es gibt Landschaften, in denen spürt man sich als ziemlich unwichtig.

 

38. Nahkampf –

Weil wir uns so weit von einander entfernt haben.

 

39. Es geht nicht darum die eigene Leidensfähigkeit bis hin zur Perfektion auszubilden.

 

40. Wunderschöner Wunsch:

Zeit zu SEIN – solange du BIST.

 

41. Schöne Vorstellung:

Sich jemandem anzuvertrauen, der einem die Gewissheit des Verstehens gibt

 

42. Man sollte den eigenen Weg gehen.

Nicht den von Anderen träumen.

 

43. Väter sollten ewig leben!

Väter leben nicht ewig!

Irgendwann wirst du erfahren: Auch Mütter sind nicht unsterblich!

 

44. The only thing that we can do in this warlike world is

sitting down and playing our flutes –

gentle.

 

45. Man kann sein Vertrauen nicht verschenken

Man kann es allerhöchstens verleihen.

 

46. Mit der Natur kann man nur klarkommen,

wenn man sich auf ihre Geschwindigkeit einstellt,

sich auf derselben Ebene bewegt

und so eine Einheit mit ihr bildet.

 

47. Die Verrücktheit der Menschen treibt mich noch in den Wahnsinn.

 

48. Auch ein Job:

Pförtner an der Selbstmordbrücke.

 

49. Man muss den DRANG haben zu leben.

 

50. Jeden Sonnenstrahl so tief einsaugen

wie die Luft, die nach einem langen Winter zum ersten Mal nach Frühling riecht.

 

51. Kennst du sie – die leise Helligkeit?

 

52. Wir sind alle Menschen derselben Art, jedoch prägt die Kultur in der der einzelne Mensch

lebt, ganz entscheidend seinen Werdegang. Man muss also seinen Weg in der jeweiligen

Kultur gehen der man angehört und sich dort seine Freiräume schaffen.

 

53. Der beginnende Regen, der den Spaziergang zu einem menschenleeren Vergnügen erhebt.

 

54. Und jeden Tag verhungern 40 000 Kinder

Und jeden Tag sterben 100 Tierarten aus

Was wolltest du sagen?

 

55. The second try – The last chance?

 

56. Wissen ist ebenso grenzenlos wie Dummheit.

 

57. Wieso sollte man danach trachten sich einer Norm anzupassen,

wenn man im Laufe etlicher Betrachtungen, Erfahrungen

und aus Gesprächen weiß, dass sie nicht funktioniert?

Herdentrieb?

 

58. Wenn ein Stern verglüht, wen kümmert es?

 

59. Von wegen in die Hölle kommen. Sind wir nicht längst drin?

 

60. Schöpfe Kraft aus Deinem Selbst.

Bei fremden ‚Brunnen’ kannst du dir nicht sicher sein:

Vielleicht sind sie vergiftet!

 

61. Keep up appearance Nee!!!

 

62. Moderne Methoden der Folter in der westlichen Welt:

Liebesentzug und Desinteresse.

 

63. Kein Wort der Anerkennung, kein Verständnis

Alles ist selbstverständlich.

WELCH EIN IRRTUM!

64. Wäre auch zu klären:

Wann beginnt in der Entwicklung des Menschen die Zeit

in der er Witz von Ironie unterscheiden kann?

 

65. Lebe im jetzt, aber nimm dir Zeit für das gewesene.

 

66. Auch eine Apologie (Rechtfertigung):

Im Vollbesitz meiner geistigen Umnachtung.

 

67. Apopemptikon (Abschiedsgedicht eines Fortgehenden an die Zurückbleibenden):

…und tschüss!

 

68. Manche Gedanken scheinen als seien sie durch den Reißwolf gejagt,

ehe sie Verbreitung finden.

Strindberg spricht von den ‚Fetzen der Seele’.

 

69. Er gehörte zu der Art von Menschen, die schlechte Dinge mit einem...