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Die verbotene Macht

von: Marie L. Vitágua

Franzius Verlag, 2015

ISBN: 9783945509739 , 581 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

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Preis: 4,99 EUR

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Die verbotene Macht


 

Lichtwesen


 

„Wir sind eins mit dem Licht und der Welt. Diese Einheit mit der Schöpfung, mit allem was ist, bewahrten wir uns durch die Zeiten. Wir sind die Unsichtbaren, denn alle, die ihr Licht verhüllten, verloren die Fähigkeit, uns zu sehen. Wir leben nicht, wir sind. Wir bestehen aus einem Lichtkörper, der durch die Dimensionen und Welten reisen kann. Für uns gibt es weder Grenzen der Zeit, noch des Ortes. Wir dienen nur einem Gesetz: dem der Liebe. So war einmal das Leben. Das war einmal unsere Grundschwingung – vor dem sogenannten Fall. Wir sind ein Teil der Sieben, die das Wort der All-Liebe bewahrten, indem wir es überliefern und leben. Manche von uns verkörpern sich auch immer wieder, um anderen Welten einen Weg zu zeigen, Frieden und Freude zu leben. Doch die meisten von uns reisen durch die Dimensionen, als Botschafter der Verbundenheit und Gleichwertigkeit oder als Heiler von Ungleichgewicht. Ungleichgewicht entsteht, wenn etwas passiert, was in der Ausgewogenheit der Schöpfung zum Schaden sein könnte. Ungleichgewicht erfolgt, sollte eine Wesenheit sich oder andere traumatisieren. Wir sind dort, wo wir gebraucht werden. Ich schütze und hüte in erster Linie die Codices der Liebe, jene Kopien die es noch gibt, vor Vernichtung und Missbrauch.

 

Im Streit erschufen die Engel das sogenannte Gute und das Böse. Danach trachteten sie, dass erschaffene Böse wieder abzuschaffen, ohne zu bemerken, dass sie es so nur verstärkten. Die mahnende Stimme wollten sie nicht hören und so wandten sie sich von ihren – aus ihrer Sicht ‚höheren‘ - Ebenen ab. Dieser fortschreitenden Trennung fiel die ganze Schöpfung zum Opfer. Die einen begaben sich bewusst in diese Schwingung, die anderen fielen, weil Trennung nun mal Illusion ist. Wir bewahrten das Wissen um die Einheit, um die All-Liebe, die Schöpfung und das wahre Leben in Glückseligkeit. Und so wurden wir immer wieder angegriffen. Denn wir verstanden die nun entstandene Menschheit immer weniger. Das sich getrennt fühlende Individuum, handelte nur aus Angst und schuf damit nur weiteres Unglück. Den einzigen Schlüssel, die Liebe, warfen sie achtlos beiseite, vergruben sich in Ablehnung, nach allen Seiten. Das konnten wir nicht ‚Leben‘ nennen. Denn für uns tat die Schöpfung die Dinge, die für die Menschen fortan Wunder waren und wir fühlten die Liebe der Quelle körperlich. Das nannten wir Leben.“

 

***

 

„Jorad, du weißt um die Gefahr für das Land! Nicht allein, dass die umliegenden Königreiche uns hassen und versuchen, uns zu vernichten. Nein, wir werden zusätzlich von einer viel größeren Gefahr bedroht.“ Horestos stand neben Mareshkas Thron und sprach mit erregter Stimme auf mich ein. Wenn ich mich daran erinnerte, wie ich ehrfürchtig auf dem polierten Marmorboden kniete und seinen Worten andächtig lauschte, könnte ich kotzen. Mich katzbuckelnd unter zwei Menschen zu stellen, die vorgaben, etwas besseres zu sein, die vorgaben, über mein Leben entscheiden zu können, kam mir heute nicht mehr in den Sinn. Worauf sich Horestos Worte bezogen, war mir bewusst. Seit Jahren fielen die Gesandten des sogenannten Bösen in unser Land ein und beeinflussten die Gedanken der Menschen in ihrem Sinne. Hätten wir sie doch gewähren lassen! Mareshka ermahnte mich an jenem Tag eindringlich: „Laß dich nicht täuschen! Die gefährlichsten der Dämonen tun es der Liebe gleich. Um ihre Hässlichkeit zu verbergen, hüllen sie sich in ein helles Lichtkleid als Tarnung. Alle, die solche Dämonen sehen, halten sie für gut und kommen von meinem Pfad der Liebe ab.“ Mareshka wurde hektisch. Wie ein Nilpferd walzte sie durch den Thronsaal, fuchtelte wild mit den Händen in der Luft, als wollte sie einen Bienenschwarm vertreiben und sagte: „Noch einmal: Laß dich nicht täuschen! Sie tragen das Lichtkleid nur als Maske vor ihrem schwarzen Inneren.“ Mit der Erkenntnis des weiteren Ablaufs war mir heute bewusst: Sie sprach von sich selber! „Jorad, wie du weißt, gibt es Menschen mit der Gabe, Wesen mit einem Lichtkleid zu entdecken. Ich lasse seit dem Beginn meiner Regentschaft diese Menschen suchen und zu mir bringen. Sie sollen für mich all diejenigen finden, die durch die Reihen der Wächter am Dämonenpass durchgeschlüpft sind und sich im Land versteckt halten.“

 

Horestos übernahm wieder: „Bei der Auswahl unserer Sucher müssen wir auf der Hut sein. Die Fähigkeit, verkleidete Dämonen zu entdecken, besitzen auch die Dämonen selber. Wenn eine Person, die zum Sucher gemacht werden soll, sich als Dämon herausstellen sollte, haben die Wächter den Dämon zu töten.“ Trauer begleitete ihre Worte, als Mareshka sagte: „Die Menschen mit der Gabe fliehen vor mir. Du weißt nicht, wie fehlgeleitet sie sind. Ich möchte alle Dämonen enttarnen, doch dafür muß ich diese erst einmal finden.“ So seltsam es klingen mag, die Trauer, die in Mareshkas Stimme mitschwang, schien mir auch heute noch echt. Ein Teil von ihr war wirklich traurig darüber, dass jene mit der Gabe sie mieden. Aber jetzt, am Ende meiner Zeit, verstand ich die Begabten sehr gut. Mittlerweile wusste ich, was sie erwartete. Niemandem wünschte ich eine Behandlung, wie sie hier an der Tagesordnung war.

 

Damals schwieg ich zu ihren Worten. Heute hasste ich mich dafür, den Worten von ihr geglaubt zu haben. Mit ernster Miene hob Horestos seine Hand. „Es ist an der Zeit, aktiv zu werden. Nicht länger wollen wir zum Opfer der Dämonen werden. Jetzt wollen wir in die Offensive gehen. Du wirst mit einer Streitmacht zu dem Pass reiten, auf dem das Tor zu den niederen Dimensionen steht. Du wirst den Feind überwältigen und das Tor schließen. Verstehst du? Es ist deine vordringlichste Aufgabe, den Pass in deine Gewalt zu bringen. Um jeden Preis! Der Kampf wird sicherlich hart werden. Der Feind wird kein Pardon kennen. Ihr dürft auch keines zeigen. Der Feind wird eine Angriffswelle nach der anderen aufbieten. Es wird ihn nicht kümmern, wie viele seiner Soldaten fallen. Selbst wenn sich die Körper seiner toten Streiter bis zu den Zinnen der Verteidigungswälle auftürmen, so wird er dies nur als Vorteil sehen, um die restlichen Kämpfer leichter gegen uns führen zu können. Du und deine Kämpfer müsst euch diesem entgegenstellen, das Heft in die Hand nehmen und die Kraft gegen den Feind richten.“ Warum hatte ich damals nicht erkannt, was ich heute sah? Der verfluchte Hurenbock befahl mir nichts anderes als einen Selbstmord. Mareshka sah mich intensiv an: „Ich befehle dir: Ziehe aus und schließe das Tor! Gehe mit meinem Segen.“ Damals freute ich mich tatsächlich auf diesen Auftrag. Welch ein Idiot, der dort salutierte und ging! Ich hatte mich damals selber belogen; hatte mich geweigert, das Widersinnige in den Worten zu hören. Gnadenlos sollte ich bis zur Selbstzerstörung kämpfen, um etwas Geheiltes entstehen zu lassen. Welch ein Schwachsinn!

 

Die Männer waren alle handverlesen. Auf die Dienste der Wiedergänger mussten wir verzichten. Nur Menschen konnten einen Dämon besiegen, nur ein lebender Geist war in der Lage, sie überhaupt zu sehen. Ebenso waren die modernsten Waffen nutzlos. Nur im Kampf Mann gegen Mann, von Angesicht zu Angesicht, konnte ein Dämon überwältigt werden. Schon damals hätte ich stutzig werden müssen. Warum konnte nur ein bewusster Mensch die Dämonen sehen? Weil sie von einer Ebene waren, die über dem groben Stoff der Welt lag! Anstatt die Frage, ob ein Wesen gut oder böse war, anhand ihrer Taten zu messen, folgte ich nur den Worten der Mareshka. Was taten die Dämonen? Sie weckten die Menschen in der Nacht. Viele empfanden so wie ich heute, wenn sie die Wahrheit erkannten: Sie lehnten sich selber ab. Wenn sie erkannten, fehlgegangen zu sein, verurteilten sie sich selber. Dieses Gefühl der Schuld und der Wut quälte mich unterschwellig mein Leben lang. Weder die Dämonen, die ich bekämpfte noch der Dämon, der mich weckte, waren böse, sondern der Auftraggeber, dem ich damals folgte.

 

Als ich mit meinem Zug durch das Tor der Tempelanlagen ritt, stand dort meine Frau mit meiner kleinen Tochter auf dem Arm. Am Abend zuvor hatten wir uns gestritten. Dieser Auftrag würde mich von ihr auf immer trennen, hielt sie mir vor. Ich wollte sagen, dass ich sie verstand. Dass ich Mareshkas Vorhaben für Unsinn hielt. Doch ich konnte die Worte nicht äußern und schluckte den Ärger und die Wut herunter. Ebenso die Wut, meine Gedanken für mich behalten zu müssen. Einzig die Eide konnte ich wiederholen, die wir geschworen hatten: Gehorsamkeit über den Tod hinaus. Nach dem letzten Gruß der Augen, wandte sich meine Frau für immer von mir ab.

 

Niemand kannte die genaue Lage des Tals, welches zum Dämonenpass führte. Den Weg mussten wir selber finden. Lediglich Mareshkas Worte begleiteten uns. Wir sollten niemals zweifeln und ihre Liebe nehmen. Dann würden wir den Ort schon finden. Natürlich war Mareshka der Weg unbekannt - so unbekannt wie der Weg zurück ins Licht. Verdammte Kuh. Ich folgte dem Ruf in mir. Schließlich gelangten wir zu einem Gebirge. Ein zu Beginn weites, grasbewachsenes Tal verengte sich immer weiter. Je weiter wir ritten, desto höher türmten sich Berge auf. Die Vegetation wechselte von frischem Gras zu alten Nadelbäumen, zwischen denen sich ein kaum sichtbarer Pfad erstreckte. Tief in meinem Inneren wusste ich: Dort, wo sich die beiden Bergrücken trafen, waren der Pass und das Tor. Ohne es gesehen zu haben, wusste ich: Hinter dem Pass lag eine unbewachsene Hochebene, über der in weiter Ferne das Hochgebirge thronte. Bereits die ersten Schritte in der bewaldeten Schlucht erzeugten in mir das Gefühl, nicht mehr in dieser Welt zu sein. Die hohen, eng stehenden Nadelbäume hüllten mit ihren...